Der erste grosse Auftritt des neuen amerikanischen Papstes Leo bereitet Sorge für die Zukunft. Bei seinem Besuch auf Lampedusa setzte er offen die migrationspolitische Linie seines argentinischen Vorgängers nahtlos fort. Er solidarisierte sich mit den ankommenden Asylmigranten und betonte Europas Verantwortung, diese aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren. Das Phänomen der Migration bezeichnete er als „historische Herausforderung“, auf die der Kontinent mit Offenheit antworten solle.
Diese Haltung ist einseitig. Zwar ist das Leid der Menschen auf der Flucht eine Tragödie, und die Kirche hat die Pflicht, sich der Leidenden anzunehmen. Doch ein solcher Auftritt geht weit darüber hinaus. Er signalisiert, dass praktisch alle Asylmigranten in Europa willkommen sind, ohne die Belastungen für die einheimische Bevölkerung angemessen zu würdigen. Viele europäische Bürger erleben täglich die Folgen massiver Zuwanderung: überlastete Sozialsysteme, Druck auf den Wohnungsmarkt, kulturelle Spannungen und Herausforderungen für den sozialen Zusammenhalt.
Papst Leo spricht von einem langfristigen Plan, der Aufnahme mit Entwicklungshilfe verbindet. Dabei bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Dürfen souveräne Staaten selbst entscheiden, wen sie aufnehmen und wen nicht? Die Volkssouveränität und das Gemeinwohl der eigenen Bevölkerung müssen Vorrang haben. Nicht jeder Ankommende möchte oder kann sich integrieren. Eine verantwortungsvolle Politik braucht klare Regeln, geordnete Verfahren und die konsequente Rückführung jener, die sich nicht einfügen oder straffällig werden.
Auch die wirtschaftlichen Äusserungen des Papstes wirken weltfremd. Ein Wirtschaftssystem, das primär auf „Freundschaft“ und Umweltschutz setzt, ignoriert die Prinzipien von Leistung und Wettbewerb, die Wohlstand schaffen. Solche romantischen Vorstellungen helfen weder den Menschen in den Herkunftsländern noch den Bürgern Europas.
Viele hatten auf mehr Realismus unter dem neuen Pontifikat gehofft. Stattdessen erlebt die Kirche eine Fortsetzung einseitiger Positionen. Eine Stimme katholischer Vernunft würde beide Seiten sehen: die Nöte der Migranten und die legitimen Sorgen der Einheimischen. Genau diese Ausgewogenheit fehlt bisher.
Europa braucht keine weiteren moralischen Appelle zur grenzenlosen Aufnahme, sondern eine Politik, die zuerst die eigenen Bürger und die Stabilität des Kontinents schützt. Länder mit klaren Regeln wie die Schweiz zeigen, dass dies möglich ist.
Chaim Stolz, Dübendorf



